Fahrlässigkeit
Fahrlässig gelingen die schwersten Fehler.
Horst Bellermann
Diese Sünde ist in der Breite gesehen sehr häufig anzutreffen. Eine für jeden ernsthaften Softwareentwickler unterträgliche Form ist z.B., das Compilerwarnungen nicht ernst genommen werden. Sie werden in keine umissverständliche Form gebracht, so dass der Compiler friedfertig seines Amtes walten kann. Dieser Tatsache kann die Todsünde “Faulheit” zugrunde liegen. Dominiert aber die Faulheit, so wird es zur Fahrlässigkeit. Vielleicht sind wirklich viele Warnungen einfach nur blöder Unfug, weil der Compiler halt des Programmieres Sinn nicht versteht. Aber wenn diese Warnungen nicht beseitigt werden, gehen in diesen die wirklich Wichtigen unter. Eine meiner liebsten (aktuellen) Teilkomponenten (eine von Hunderten) spuckt auf höchstem Warnungslevel mehr als 10000 Warnungen aus. Lässt man sich nur die “kritischen” Warnungen anzeigen, sind es lediglich(!) 1900. In meinen Augen ist diese Komponente die softwaregewordene Fahrlässigkeit. Ich kann keinen Entwickler verstehen, der diese Komponente guten Gewissens ausliefert. Ich fordere die Abschaffung von Warnungen. Alles was dem Compiler auffällt, sollte als knallharter Fehler bewertet werden und den Übersetzungsvorgang stoppen. Ausserdem sollten in den Compiler verfeinerte Analysetools, wie das damalige PCLINT oder das heutige FxCOP, eingebaut werden und auch bei dem kleinsten suspekten Codefragment die weitere Arbeit verweigern. Aber die Fahrlässigkeit geht auch in die Programme selbst ein. Es werden Annahmen getroffen, die nach einem Jahr niemand mehr nachvollziehen kann aber “hartverdrahtet” sind. Arrays mit festen Größen, die überlaufen und den Speicher zumüllen. Platzverschwendung für Daten die niemals verwendet werden oder ungenügende bis ganz fehlende Sicherheitsabfragen. Diese Todsünde bescheert uns täglich unnötigen Ärger und manchmal riesigen Aufwand bei der Fehlersuche.